Author: mspandern

Tierwohlabgabe und verpflichtendes Tierwohllabel

Der Bundesrat verlangt ein Finanzierungskonzept für den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit einer stärker ökologischen und tiergerechten Ausrichtung – und schlägt dazu vor allem die Einführung einer Tierwohl-Abgabe auf Fleisch, Milch und andere tierische Produkte vor.

Dies ergibt sich aus einer Entschließung, die der Bundesrat am 5. März fasste und der Bundesregierung zuleitete.

Umsetzung der Borchert-Kommission

Darin fordert er die Bundesregierung auf, zeitnah konkrete Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen aus der sogenannten Borchert-Kommission einzuleiten, um die notwendigen Voraussetzungen für den Umbau der Tierhaltung zu schaffen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister hatte im Auftrag der Bundesregierung ein Papier erstellt, zu dem am 2. März 2021 eine Machbarkeitsstudie präsentiert wurde.

Tierwohl-Abgabe als wesentliches Element

Aus Sicht des Bundesrates ist die Einführung einer Tierwohl-Abgabe auf Fleisch, Milch und andere tierische Produkte ein zentrales Element zur Finanzierung für die notwendige Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Tierhaltung – die auch von der Mehrzahl der Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützt werde. Die Abgabe soll die Mehrkosten für höhere Tierwohlstandards honorieren, um bessere Haltungsbedingungen mitzufinanzieren.

Eine solche sei auch erforderlich, um klare Rahmenbedingungen für Investitionen der Landwirtinnen und Landwirte zu schaffen. Die Bundesregierung solle noch in dieser Legislaturperiode schlüssige Konzepte dazu vorlegen, fordern die Länder.

Tierwohl-Label für bessere Kennzeichnung

Ein weiterer wichtiger Baustein sei die zeitnahe Einführung eines staatlichen verpflichtenden Tierwohllabels, betont der Bundesrat. Denn viele Verbraucherinnen und Verbraucher wünschten sich eine Kennzeichnung für Lebensmittel, die Auskunft über das Tierwohl bei Haltung, Transport und Schlachtung von Nutztieren gibt.

Entscheidung liegt bei der Bundesregierung

Die Entschließung wurde der Bundesregierung zugeleitet. Ob und wann sie die Forderungen des Bundesrates aufgreift, liegt in ihrer Entscheidung – feste Fristen gibt es hierfür nicht.

 

Drucksache: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2021/0101-0200/105-21(B).pdf?__blob=publicationFile&v=1

 

Bio oder konventionell, beim Schlachten keine Unterschiede

Die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung zum Schlachten von Tieren aus ökologischer Haltung unterscheiden sich kaum von den Vorgaben der konventionellen Schlachtung. Allerdings müssen die Schlachthöfe und Metzgerinnen und Metzger biozertifiziert sein. Damit kein Tier, Fleisch oder Blut vermischt oder verwechselt wird, muss das Schlachtunternehmen Bio-Tiere und konventionelle Tiere und Waren sauber voneinander trennen. Daher werden die Bio-Tiere meistens an bestimmten Tagen vor den konventionellen geschlachtet.

Auch zur Dauer und Länge von Tiertransporten macht die EU-Öko-Verordnung kaum konkrete Vorschriften: Der Transport von Bio-Tieren darf genau wie bei ihren konventionellen Artgenossen bis zu acht Stunden dauern. Dagegen beschränken Bio-Verbände wie Bioland, Demeter oder Naturland die Transporte auf vier Stunden oder maximal 200 Kilometer.

Weideschlachtung ohne Angst?

Tierärztinnen und Tierärzte der Universität München wiesen in einem Projekt eine nahezu stressfreie Schlachtung der Schweine nach. Wichtige Voraussetzungen dafür seien geschultes Personal sowie eine frühzeitige Gewöhnung der Schweine an den Schlachtanhänger. Dazu bekommen die Weideschweine am Schlachtanhänger etwas Futter. Es werden tatsächlich nur diejenigen Tiere geschlachtet, die freiwillig in den Schlachtanhänger laufen. Nach der Schlachtung verarbeitet die hofeigene Metzgerei das Bio-Fleisch umgehend nach alten traditionellen Verfahren weiter.

Dazu auch der Bericht von Lea Trampenau und Andrea Fink-Keßler: Neuere Ansätze für stressarmes Schlachten im Haltungsbetrieb

Download hier: https://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2016/KAB2016_Kap8_251_255_Trampenau_Fink-Kessler.pdf

 

Ist moderne Zuchttechnik für den Erhalt bedrohter Arten geeignet?

 

Ein vor zwei Jahren gestorbener Afrikanischer Löwe könnte durchaus wieder Vater werden. Erstmals ist es jetzt Berliner Wissenschaftlerinnen gelungen, Embryonen durch künstliche Reifung unreifer Eizellen Afrikanischer Löwinnen und Injektion seiner in der Kryobank aufbewahrten und wieder aufgetauten Spermien zu produzieren. Zur Überraschung der Forscherinnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zeigte sich, dass sich Löwenembryonen sehr viel langsamer entwickeln als vergleichbare Embryonen der Hauskatze.

Die Methoden der assistierten Reproduktion (ART) werden für Programme zur Erhaltung gefährdeter Tierarten zunehmend wichtiger. Insbesondere die Etablierung von Keimzellbanken (auch Gametenbanken genannt) bietet die Möglichkeit der Integration von gefrierkonservierten Genreserven in die bestehenden Populationen unabhängig von Ort und Zeit.

„Gametenbanken können zur Lösung verschiedener Probleme der Erhaltungszuchtprogramme in zoologischen Gärten beitragen “, sagt Dr. Jennifer Zahmel vom IZW. Der gegenwärtig vielfältige Austausch und Transport von Tieren zur Blutauffrischung würde durch den Transport von Keimzellen und Embryonen in vielen Fällen überflüssig werden. Damit wäre auch eine mögliche Übertragung von Krankheiten eingeschränkt. Funktionierende Gametenbanken tragen so zur Reduktion der notwendigen Tierzahlen in Gefangenschaft bei und ermöglichen eine Verknüpfung von Maßnahmen zur Arterhaltung im ursprünglichen Lebensraum (in-situ) und in zoologischen Gärten (ex-situ), ohne eine Entnahme von Tieren aus der freien Wildbahn zu benötigen. Voraussetzung für die Nutzbarkeit von Gametenbanken ist die Weiterentwicklung reproduktiver Techniken von der Keimzellentnahme und -kultur über ihre Gefrierkonservierung bis zur künstlichen Besamung und dem Embryotransfer. „Obwohl diese reproduktiven Techniken in der Medizin und in der Landwirtschaft bereits mit Erfolg angewandt werden, ist für viele bedrohte Säugetiere aufgrund großer Unterschiede in Anatomie und Fortpflanzungsphysiologie noch eine umfassende Grundlagenforschung nötig“, erläutert Jennifer Zahmel.

Die Raubtierfamilie der Katzenartigen profitiert bei der Entwicklung von Reproduktionstechniken von der Forschung an Hauskatzen. Viele der bekannten Methoden der ART wurden dafür bereits erfolgreich entwickelt. Nun geht es darum, diese Erkenntnisse auch für gefährdete Katzenarten verfügbar zu machen. „Mit den im Reagenzglas (in-vitro) produzierten Embryonen vom Afrikanischen Löwen konnten wir zeigen, dass die bei der Hauskatze entwickelten Methoden auch beim Löwen funktionieren, obwohl die Unterschiede in der Entwicklungsgeschwindigkeit der Embryonen auf faszinierende Unterschiede zwischen den Arten hindeuten“, meint Abteilungsleiterin und stellvertretende Institutsdirektorin Prof. Katarina Jewgenow.

In der aktuellen Ausgabe der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Theriogenology berichten die Reproduktionsbiologinnen des IZW über den erfolgreichen Versuch, Eierstöcke von jungen Afrikanischen Löwinnen aus einem europäischen Zoo zur Gewinnung von Eizellen zu nutzen. Nach einem achtstündigen Transport konnten insgesamt 67 unreife Eizellen gewonnen werden, die im Reagenzglas in speziellen Medien für 1½ Tage kultiviert wurden. Mehr als ein Drittel der Eizellen reifte aus und wurde mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) befruchtet. Für diese spezielle Befruchtungstechnik werden einzelne Samenzellen mit Mikronadeln direkt in die Eizelle injiziert. Hier standen eingefrorene Spermien eines bereits 2012 verstorbenen Löwen eines anderen europäischen Zoos zu Verfügung. Obgleich diese nach dem Auftauen eine eingeschränkte Lebensfähigkeit aufwiesen, war die Befruchtung einiger Eizellen erfolgreich. Dies wurde durch Furchungsteilungen nachgewiesen, durch die sich nach zwei Tagen 2-Zell-Embryonen, nach sechs Tagen „Maulbeerkeime“ (Morulae) und nach neun Tagen Blasenkeime (Blastozysten) entwickelten. Bei Hauskatzen werden schon nach 7 Tagen Blastozysten erwartet. Es bleibt also das Rätsel, ob die verlangsamte Embryonalentwicklung auf die Gewinnung von Keimzellen schon verstorbener Tiere oder den langen Transport zurückzuführen oder aber eine Besonderheit der Art ist. „Für den Artenschutz ist das erfolgreiche Anwenden der Methode der Eizellenreifung von ganz besonderer Bedeutung, da die Gewinnung befruchtungsfähiger Eizellen bei Wildtieren in der freien Wildbahn nur sehr eingeschränkt möglich ist. Ohne Eizellen funktioniert jedoch keine assistierte Reproduktion“, kommentiert Jewgenow.

Quelle:
Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.

Publikation:
Fernandez-Gonzalez L, Hribal R, Stagegaard J, Zahmel J, Jewgenow K (2015): Production of lion (Panthera leo) blastocysts after in vitro maturation and ICSI. Theriogenology.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
in Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Unter vier Wochen alte Kälber nicht transportieren

Die Bundestierärztekammer (BTK) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) fordern in einem Positionspapier den Transport von Kälbern neu zu regeln. „Tiertransporte sind immer mit unvermeidbarem Stress für die Tiere verbunden. Gerade bei so jungen Tieren, wie Kälbern, darf das geringe Anpassungsvermögen bei der Bewältigung von Stresssituationen keinesfalls überfordert werden“, sagt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK.

Die Forderungen sollen eine veterinärfachliche Bewertung zum Transport von Kälbern sein. Zudem möchten die Organisationen rechtliche Änderungen anstoßen und bis dato ergänzende Mindestanforderungen durchsetzen.

Dazu zählen unter anderem:

  • Kälber sind bis zum Abschluss der 4. Lebenswoche nicht transportfähig.
  • Die Transportdauer nicht abgesetzter/nicht entwöhnter Kälber darf acht Stunden nicht übersteigen.Nicht abgesetzte Kälber dürfen vom Herkunftsbetrieb bis zum endgültigen Bestimmungsort über maximal eine Sammelstelle befördert werden. Sie müssen dort bedarfs- und verhaltensgerecht gefüttert und getränkt werden.
  • Kälber dürfen erst dann mehr als acht Stunden transportiert werden, wenn sie ihren Bedarf für Erhaltung und Aufbau über Festfutter und Wasser decken können. Also frühestens nach dem Absetzprozess. Kälber dürfen nicht erst für den Transport abgesetzt werden.
  • Ausgenommen sind Transporte zu einem Haltungsbetrieb in bis zu 50 km Entfernung, die vom Landwirt im eigenen Fahrzeug durchgeführt werden.

Das Positionspapier kann hier abgerufen werden: https://www.topagrar.com/dl/3/8/1/4/1/0/8/Positionspapier_Kaelbertransport_BTK-TVT__5_.pdf

Die Bundestierärztekammer fordert Tierschutz bei Transporten ein

Berichte über eklatante Missstände bei Tiertransporten in Länder außerhalb der EU haben bereits 2017 die Öffentlichkeit erschüttert. „Es müssen unverzüglich durchgreifende Maßnahmen, die nachhaltig für die Abstellung der Mängel sorgen, ergriffen werden”, so Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK), damals. Er forderte die EU, die Bundesregierung und die Länder auf, unverzüglich die Abfertigung von Tiertransporten in Drittländer bis auf weiteres zu untersagen.

Die aktuelle Reportage „Tiertransport grenzenlos – Leder für Deutschland” aus der ZDF-Reihe „37°” thematisiert erneut die Missstände auf den Transportrouten: z.T. tagelange Wartezeiten in sengender Hitze ohne angemessene Versorgung der Tiere an den Außengrenzen der EU und tierschutzwidrige Transport- und Schlachtbedingungen in den Zielländern. An der katastrophalen Situation hat sich seit der Berichterstattung von 2017 trotz zahlreicher Debatten nichts geändert.

Die BTK fordert:

  • Die Abfertigung von Tiertransporten nur dann zu erlauben, wenn vor dem ersten Transport auf einer Route durch eine unabhängige Kommission abgesichert ist, dass alle Tierschutzanforderungen lückenlos eingehalten werden,
  • die unbedingte Einhaltung der im Europäischen Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport festgelegten Anforderungen,
  • eine zügige Abfertigung von Tiertransporten beim Grenzübertritt und, sofern Wartezeiten in Einzelfällen unvermeidlich sein sollten, ein zügiges Abladen und eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere während der Wartezeiten in geeigneten und von den zuständigen Behörden zu kontrollierenden Unterbringungen,
  • Transportzeiten grundsätzlich so kurz wie möglich zu halten und Schlachttiere so nah wie möglich am Ort der Erzeugung zu schlachten. Der Transport von lebenden Tieren sollte, wo immer möglich, durch den Transport von Schlachtkörpern bzw. tierischen Erzeugnissen ersetzt werden.

Quelle: Bundestierärztekammer e.V. 

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Insektenbestände und Pestizidbelastungen in Naturschutzgebieten

In den letzten 35 Jahren wurde in ländlichen Gebieten ein starker Rückgang von Insektenpopulationen in Deutschland trotz verschiedener Naturschutzmaßnahmen festgestellt. Pestizidrückstände gelten als mögliche Ursache, die in verschiedenen deutschen und internationalen Forschungsstudien in landwirtschaftlichen Böden, Luft, Rinde, Honig und Wasser identifiziert werden konnten. Ziel unseres Projekts „Erforschung der Korrelation zwischen Insektenbestand und Pestizidbelastung in Naturschutzgebieten“ ist es deshalb, herauszufinden, ob und inwiefern ein Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und Insektenbeständen in deutschen Naturschutzgebieten besteht.

Das Projekt Erforschung der Korrelation zwischen Insektenbestand und Pestizidbelastung in Naturschutzgebieten wurde in enger Zusammenarbeit mit den Experten Buijs Agro-Service und der Entomologischen Vereinigung Krefeld (EVK) vom 15. September 2019 bis 30. September 2020 durchgeführt. Hintergrund des Projekts ist ein drastischer Rückgang der Insektenpopulationen in Deutschland trotz verschiedener Naturschutzmaßnahmen. Darüber hinaus haben verschiedene Forschungsstudien Pestizidrückstände in landwirtschaftlichen Böden, Honig und Wasser identifiziert. WECF und EVK identifizierten 30 Standorte in deutschen Naturschutzgebieten, an denen Boden-, Vegetations- und Insektenproben entnommen wurden. Diese Proben wurden von einem zertifizierten Labor auf mehr als 600 verschiedene Pestizide analysiert. Die Analyseergebnisse und Empfehlungen an die Forschung, Politik, Umweltorganisationen und die Agrarwirtschaft werden in dieser Publikation vorgestellt.

Diese Recherche wurde durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie im Rahmen des Projekts FV 1610 sowie durch die finanzielle Unterstützung der Europäischen Kommission im Rahmen des Projekts Make Europe Sustainable for All ermöglicht. Der Inhalt dieser Veröffentlichung liegt in der alleinigen Verantwortung von WECF e.V., die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Postcode Lotterie oder der Europäischen Kommission wieder.

 

Quelle WECF e.V. München

WECF Forschungsstudie
Insektenbestände und Pestizidbelastungen in Naturschutzgebieten am Beispiel von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

 

Download der Studie hier: https://www.wecf.org/de/insektenbestaende-und-pestizidbelastung-in-naturschutzgebieten/

 

Tiertransporte: EU-Parlament schließt sich Forderung nach Untersuchungsausschuss an

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben soeben für die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zu Tiertransporten gestimmt und schließen sich einer langjährigen Forderung der Grünen/EFA-Fraktion an. Der Untersuchungsausschuss wird die Missstände und Verstöße gegen EU-Recht bei Tiertransporten aufarbeiten. Jährlich werden rund eineinhalb Milliarden Schweine, Kühe und andere Tiere tagelang auf engstem Raum durch die Europäische Union und in Drittländer transportiert, häufig ohne ausreichende Versorgung mit Wasser und bei unerträglichen Temperaturen. Berichten zufolge verstoßen diese Transportbedingungen häufig gegen EU-Recht. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten haben nicht ihren Teil dazu beigetragen, dass die Tierschutzvorschriften eingehalten werden.

 

Sarah Wiener, Mitglied im Agrarausschuss und stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments und Schattenberichterstatterin der Farm-to-Fork-Strategie, kommentiert:

„Tierquälerei, eklatante Verstöße gegen den Tierschutz und die Verantwortung der EU-Mitgliedstaaten müssen penibel aufgeklärt werden. Auch Lebendtiertransporte in Drittstaaten müssen endlich ganz untersagt werden. Wir Grünen/EFA werden hart daran arbeiten, Missstände und Verantwortlichkeiten aufzuklären, damit das Tierleid ein Ende hat.“

Thomas Waitz, stellvertretendes Mitglied im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments, kommentiert:

„Auch auf Druck der Zivilgesellschaft hin können die EU-Regierungen den Skandal der Horrorzustände bei Tiertransporten quer durch die Europäische Union nicht länger aussitzen. Die Tiertransportrichtlinie muss grundlegend überarbeitet werden. Wir brauchen kürzere Transportzeiten, strengere Kotrollen und härtere Strafen.“

Mehr dazu:

Das Europäische Parlament hat nun die folgenden neuen Sonder-/Unter-/Untersuchungsausschüsse angenommen:

– Sonderausschuss zur ausländischen Einmischung in alle demokratischen Prozesse in der Europäischen Union, einschließlich Desinformation

– Sonderausschuss zur Bekämpfung von Krebs

– Sonderausschuss für künstliche Intelligenz und die digitale Transformation

– Unterausschuss Steuern

– Untersuchungsausschuss zum Tiertransport

Beschussvorlage über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses Tiertransporte und Mandat: https://home.extranet.ep.europa.eu/doceo/document/,DanaInfo=www.europarl.europa.eu,SSL+B-9-2020-0191_DE.html

Anbindehaltung weiter unter Druck

Im Rahmen des 10. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums wurden im Tagungsband unter „Kontrollen von Rinderanbindehaltungen im Landkreis Cloppenburg – Erfahrungen und tierschutzrechtliche Maßnahmen“ Zahlen und Fakten zur Anbindehaltung veröffentlicht. Die Erkenntnisse stammen aus einem Projekt, das infolge dramatischer Zustände bei Tierschutzkontrollen von Anbindehaltungen im Jahr 2014 ins Leben gerufen wurde. Anbindehaltung geht demnach meist mit gravierenden Tierschutzverstößen einher. Die Erkenntnis hat bislang jedoch nicht dazu geführt, dass ein sofortiges Verbot der Anbindehaltung von Seiten der Politik durchgesetzt wird.

Bayern, Baden-Württemberg und die entsprechenden Landesbauernverbände BBV, LBV und BLHV lehnen ein gesetzliches Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung ab. Dazu haben die Länderagrarministerien und der Berufsstand eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Stattdessen plädieren sie dafür, die Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung mit aller Kraft zu unterstützen, um so die flächendeckende Milchviehhaltung zu erhalten.

Die Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM) sieht die ganzjährige, ausschließliche Anbindung der Kühe ohne jeglichen Auslauf als Auslaufmodell. Sie erwartet, dass Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung in den nächsten Jahren sicherstellen, den Tieren Auslauf in Form eines Laufhofes oder Weidegang zu ermöglichen.

„Die ganzjährige ausschließliche Anbindung von Kühen ohne jeglichen Auslauf gehört für die Mitglieder der IGM mittelfristig der Vergangenheit an“, unterstreicht IGM-Sprecher Thomas Stürtz bei einem Pressegespräch auf der Internationalen Grünen Woche.

Die IGM hat hierzu ein Positionspapier erarbeitet und gibt diese Empfehlungen an ihre Mitgliedsmolkereien weiter. „Die Mitglieder der IGM streben an, die Anzahl der Kühe in Anbindehaltung in den nächsten fünf Jahren sowie im darauf folgenden Fünfjahreszeitraum um jeweils 25 Prozent zu reduzieren“, bekräftigt Peter Manderfeld, stellvertretender Sprecher der IGM.

Zahlen der Unternehmen der Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM), die im Herbst 2017 erhoben wurden, belegen den strukturellen Wandel der Haltungsformen.

Weiterhin setzt die IGM auf Förderung statt Verbot. Es müssen gezielt Fördermittel für die Umstellung der Betriebe bereitgestellt werden. Auch sollte ein entsprechendes Beratungsangebot zur Verbesse-rung der Haltungsbedingungen im Anbindestall (Klima, Liegeflächen, Tränken etc.) oder für den Umbau des Stalls angeboten werden.

Kühe, die in Anbindehaltung in Kombination mit Weidegang stehen, sind für die regionale Landschaftspflege wie auch für die Grünlandbewirtschaftung von großer Bedeutung. Vor allem in Grenzstandorten ohne landwirtschaftliche Produktionsalternativen leisten diese Betriebe einen wichtigen Beitrag für die Vielfalt der Kulturlandschaft. Ein kurzfristig wirksam werdendes Verbot der Anbindehaltung würde zwangsläufig zu massiven Problemen bei den betroffenen Betrieben und in den Regionen führen.

Etwa eine Million Kühe werden in Deutschland zeitweise oder das ganze Jahr über in Anbindung gehalten – auch in Biobetrieben. In der sogenannten Anbindehaltung werden die Rinder vor allem in kleinen und mittleren Betrieben über die Wintermonate oder das gesamte Jahr mittels Anbindevorrichtungen am Hals fixiert, so dass sie sich nicht einmal umdrehen können.

Diese Art der Haltung kann nicht nur psychische Schäden hervorrufen, sondern auch körperliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Darunter fallen Liegeschwielen, entzündete Gelenke, Lahmheit sowie Einschnürungen und Quetschungen am Hals durch die Anbindevorrichtungen. Verstärkt werden diese Erkrankungen zum Beispiel bei unbeweglichen Halsrahmen als Anbindevorrichtung, bei verschlissenen oder fehlenden Liegematten und bei zu kurzen bzw. zu schmalen Liegeflächen.

Es ist zu erwarten, dass der Druck auf die Anbindehaltung von Kühen eher aus der Wirtschaft kommt und der Handel regional und international Verbote durchsetzt.

(Agrarheute, Bundestag, Laves, PETA, Bauernblatt)

Verbot der Haltung von Pelztieren

Der Bundesrat verlangt auf Initiative Schleswig-Holsteins ein Verbot der Pelztierhaltung in Deutschland.

Pelztierhaltung zum Zweck der Pelzgewinnung soll verboten werden. So sieht es der Gesetzentwurf des Bundesrates vor, der auf Initiative Schleswig-Holsteins entstanden ist. “Die Haltung und das Töten von Pelztieren ist nicht mit dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz vereinbar. Ein Pelzmantel ist kein elementares Grundbedürfnis, sondern ein schieres Luxusgut. Nerze, Biber und Füchse dafür in Gefangenschaft zu halten und dann zu töten ist, ist skandalös”, sagte Minister Dr. Robert Habeck. Für bestehende Anlagen soll es eine Übergangsfrist von zehn Jahren geben.

Bei Pelztieren handelt es sich insbesondere um Nerze, Füchse, Sumpfbiber (Nutria) und Chinchilla. Da der Domestikationsgrad dieser Wildtiere sehr gering ist, ist es schon fraglich, ob eine art- und verhaltensgerechte Haltung überhaupt möglich ist. Zwar wurden die Haltungsbedingungen 2006 über eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung auf Bundesebene verbessert, aber das verhindert nicht, dass die Tiere getötet werden.

(Bundesrat)