Anbindehaltung weiter unter Druck

Im Rahmen des 10. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums wurden im Tagungsband unter „Kontrollen von Rinderanbindehaltungen im Landkreis Cloppenburg – Erfahrungen und tierschutzrechtliche Maßnahmen“ Zahlen und Fakten zur Anbindehaltung veröffentlicht. Die Erkenntnisse stammen aus einem Projekt, das infolge dramatischer Zustände bei Tierschutzkontrollen von Anbindehaltungen im Jahr 2014 ins Leben gerufen wurde. Anbindehaltung geht demnach meist mit gravierenden Tierschutzverstößen einher. Die Erkenntnis hat bislang jedoch nicht dazu geführt, dass ein sofortiges Verbot der Anbindehaltung von Seiten der Politik durchgesetzt wird.

Bayern, Baden-Württemberg und die entsprechenden Landesbauernverbände BBV, LBV und BLHV lehnen ein gesetzliches Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung ab. Dazu haben die Länderagrarministerien und der Berufsstand eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Stattdessen plädieren sie dafür, die Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung mit aller Kraft zu unterstützen, um so die flächendeckende Milchviehhaltung zu erhalten.

Die Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM) sieht die ganzjährige, ausschließliche Anbindung der Kühe ohne jeglichen Auslauf als Auslaufmodell. Sie erwartet, dass Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung in den nächsten Jahren sicherstellen, den Tieren Auslauf in Form eines Laufhofes oder Weidegang zu ermöglichen.

„Die ganzjährige ausschließliche Anbindung von Kühen ohne jeglichen Auslauf gehört für die Mitglieder der IGM mittelfristig der Vergangenheit an“, unterstreicht IGM-Sprecher Thomas Stürtz bei einem Pressegespräch auf der Internationalen Grünen Woche.

Die IGM hat hierzu ein Positionspapier erarbeitet und gibt diese Empfehlungen an ihre Mitgliedsmolkereien weiter. „Die Mitglieder der IGM streben an, die Anzahl der Kühe in Anbindehaltung in den nächsten fünf Jahren sowie im darauf folgenden Fünfjahreszeitraum um jeweils 25 Prozent zu reduzieren“, bekräftigt Peter Manderfeld, stellvertretender Sprecher der IGM.

Zahlen der Unternehmen der Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM), die im Herbst 2017 erhoben wurden, belegen den strukturellen Wandel der Haltungsformen.

Weiterhin setzt die IGM auf Förderung statt Verbot. Es müssen gezielt Fördermittel für die Umstellung der Betriebe bereitgestellt werden. Auch sollte ein entsprechendes Beratungsangebot zur Verbesse-rung der Haltungsbedingungen im Anbindestall (Klima, Liegeflächen, Tränken etc.) oder für den Umbau des Stalls angeboten werden.

Kühe, die in Anbindehaltung in Kombination mit Weidegang stehen, sind für die regionale Landschaftspflege wie auch für die Grünlandbewirtschaftung von großer Bedeutung. Vor allem in Grenzstandorten ohne landwirtschaftliche Produktionsalternativen leisten diese Betriebe einen wichtigen Beitrag für die Vielfalt der Kulturlandschaft. Ein kurzfristig wirksam werdendes Verbot der Anbindehaltung würde zwangsläufig zu massiven Problemen bei den betroffenen Betrieben und in den Regionen führen.

Etwa eine Million Kühe werden in Deutschland zeitweise oder das ganze Jahr über in Anbindung gehalten – auch in Biobetrieben. In der sogenannten Anbindehaltung werden die Rinder vor allem in kleinen und mittleren Betrieben über die Wintermonate oder das gesamte Jahr mittels Anbindevorrichtungen am Hals fixiert, so dass sie sich nicht einmal umdrehen können.

Diese Art der Haltung kann nicht nur psychische Schäden hervorrufen, sondern auch körperliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Darunter fallen Liegeschwielen, entzündete Gelenke, Lahmheit sowie Einschnürungen und Quetschungen am Hals durch die Anbindevorrichtungen. Verstärkt werden diese Erkrankungen zum Beispiel bei unbeweglichen Halsrahmen als Anbindevorrichtung, bei verschlissenen oder fehlenden Liegematten und bei zu kurzen bzw. zu schmalen Liegeflächen.

Es ist zu erwarten, dass der Druck auf die Anbindehaltung von Kühen eher aus der Wirtschaft kommt und der Handel regional und international Verbote durchsetzt.

(Agrarheute, Bundestag, Laves, PETA, Bauernblatt)